Rückbau Stade

Der Rückbau der Anlage, der 2005 mit der Erteilung der Genehmigung für die Rückbauphase 1 begann, befindet sich in der letzten Phase des Rückbauplans. Die Demontage der Systeme und Komponenten ist abgeschlossen. Aktuell laufen im Wesentlichen Arbeiten zur Gebäudedekontamination und -freigabe.

Seit der Abschaltung im Jahr 2003 wurden in Summe rund 30.000 t abgebaut, zerlegt und, soweit erforderlich, behandelt, davon rund 14.000 t aus dem konventionellen Teil der Anlage und 16.000 t aus dem Kontrollbereich. Damit sind alle Systeme und Komponenten aus dem Kontrollbereich ausgebaut. Übrig sind die Gebäudestrukturen. Der Abschluss des nuklearen Rückbaus ist im Jahr 2021 geplant. Daran schließt sich die Entlassung der Gebäude und des Geländes aus der atomrechtlichen an. Erst dann kann der konventionelle Abriss der Gebäude erfolgen. Das Ziel bleibt: Dort, wo heute noch die Kraftwerksgebäude stehen, wird wieder eine Grüne Wiese entstehen können.

 

Rückbau

Für den Rückbau einer großen Anlage ist ebenso wie für den Bau eine genaue Planung erforderlich,
damit nach und nach alle Anlagenteile entfernt werden können. Von besonderer Bedeutung ist bei
Kernkraftwerken dabei die Unterscheidung zwischen nuklearen und nichtnuklearen Anlagenteilen.

Die meisten nicht von Strahlung betroffenen Anlagenteile könnten sofort nach der Stilllegung des
Kraftwerks abgebaut werden, soweit die Systeme für den weiteren Ablauf des Rückbaus nicht mehr
erforderlich sind.

Rückbauphase I

In der ersten Rückbauphase werden im Kontrollbereich neben dem Aufbau der Logistik schon möglichst
viele nicht mehr benötigte Systeme abgebaut. Auf diese Weise steht für die späteren Arbeiten mehr Platz zur Verfügung. Andere Arbeiten dienen bereits der Vorbereitung für den späteren Abbau der großen Komponenten:

  • Durch den Abbau der Flutwasserbehälter für die Bespeisung des Primärkreislaufs beim An- und Abfahren wird Platz für die Behandlung und Pufferlagerung der Reststoffe aus dem Rückbau geschaffen.
  • Nach Ausbau der Regelstabführungen und der Regelstab einsätze steht auch im Reaktorraum mehr Platz zur Verfügung. Dabei handelt es sich ebenfalls um kleinere, leicht zu demontierende Komponenten.
  • Die Druckspeicher werden ebenfalls abgebaut.
  • Weitere kontaminierte Systeme, die für den Restbetrieb nicht mehr genutzt werden, können abgebaut werden.

Zusätzlich zu den bereits genannten Systemen werden nichtnukleare Anlagenteile wie
Frischdampf- und Speisewassersystem, Notstromdiesel, Turbinen- und Generatorkomponenten
abgebaut.

Rückbauphase II

In der zweiten Rückbauphase wird zunächst der Abbau von Großkomponenten vorbereitet. Dann erfolgt
der Abbau. Bei den betroffenen Anlagenteilen handelt es sich um:

  • die Primärkühlmittelleitungen einschließlich der Pumpen
  • die Dampferzeuger

Weiterhin werden noch andere kontaminierte Komponenten abgebaut.

Rückbauphase III

Die dritte Rückbauphase beinhaltet den Abbau der am stärksten belasteten Komponenten. Diese sind
durch die aus dem Reaktor entweichenden Neutronen aktiviert worden, das heißt die Aktivität ist fest in das
Material eingebunden und kann nicht durch Dekontamination entfernt werden.

  • der Reaktordruckbehälter
  • die Betonabschirmung um den Reaktordruckbehälter (der so genannte Biologische Schild)

Dazu kommen weitere feste und bewegliche Einbauten des Reaktordruckbehälters sowie die Betonriegel
zur Abschirmung des Reaktorraumes und die Gestelle im ehemaligen Brennelementlagerbecken.

Rückbauphase IV

In der letzten Phase des nuklearen Rückbaus werden alle noch verbliebenen Systeme im Kontrollbereich
abgebaut. Zuletzt abgebaut werden die Abwasseraufbereitung und die Abluftanlage. Verbliebene Gebäudestrukturen werden gereinigt und dekontaminiert, bis sie die Anforderungen an die
Freigabe erfüllen. So ergibt sich eine stufenweise Verkleinerung und schließlich Aufhebung des Kontrollbereiches. Diesen Vorgang nennt man Rückzug.

Konventioneller Rückbau

Zum vollständigen Rückbau des Kernkraftwerks ist jetzt nur noch der Abbruch der Gebäude erforderlich.
Da dazu keine atomrechtliche Genehmigung mehr benötigt wird, kann der Abbruch konventionell
erfolgen. Die aus dem Abbruch der Gebäude stammenden Beton- und Stahlmassen werden im Rahmen der Möglichkeiten einer Wiederverwertung zugeführt. Mit der Wiederherstellung der „Grünen Wiese“ wird
der vollständige Rückbau des Kernkraftwerks Stade abgeschlossen sein.
 

Nachbetrieb

Der Übergang des Kraftwerks vom Leistungsbetrieb in die Phase des Anlagenabbaus war mit einigen Änderungen in den Betriebsabläufen verbunden. Damit das reibungslos geschehen konnte, war eine Übergangsphase von circa anderthalb Jahren vorgesehen, die so genannte Nachbetriebsphase. Die in dieser Zeit durch geführten Arbeiten dienten der Vorbereitung des Abbaus der nuklearen Anlagenteile:

  • Abtransport der Brennelemente
  • Systemdekontamination
  • Dekontamination von Groß komponenten
  • Freischaltung und Stilllegung von Systemen, die nicht mehr erforderlich waren

Nach Abschluss dieser Phase und nach erfolgter Genehmigung für die Stilllegung begann für das
Kraftwerk der Rückbau der nuklearen Anlagen teile. Dieser erstreckt sich über vier Phasen, die nach
geltendem Recht jeweils einzeln genehmigungsbedürftig sind.